Arbeitskleider machen keine Leute

Gestern Abend lag ich pünktlich zum Neun-Uhr-Glockenläuten im Bett. Ich habe es gerade noch geschafft, meine Kleidung auszuziehen. Zähneputzen und Abschminken war nicht mehr möglich, da ich so starke Migräne hatte und sich mein Kopf anfühlte, als ob er gleich platzen würde. Es war ein anstrengender Tag…

Meine alte Schule war so nett mir eine Bestätigung über das Niveau meines Englischabiturs auszustellen, nachdem meine letzte Hochschule es nicht für nötig hielt, auf Emails zu antworten. Diese holte ich ab, betankte meinen Bomber an der Tankstelle meines Vertrauens und fuhr in Richtung Autobahn. Da fiel mir auf, dass ich noch gar nichts gefrühstückt hatte. Wie gut, dass es mittlerweile auch Bäcker mit einem DriveIn gibt…
Die Fahrt auf der A81 war anfangs sehr angenehm, da sie wie üblich recht leer war. Es gibt jedoch ein paar neue Baustellen, die den Verkehrsfluss bremsen, was zudem durch den plötzlichen Platzregen verstärkt wurde. Nachdem ich jedoch genügend Pufferzeit eingeplant hatte, war ich die Entspanntheit in Person. In meiner alten Heimat angekommen tankte ich aufgrund vergleichsweise teurer Preise nur wenig Liter nach und besuchte den Biberclan. Viele ehemalige Kollegen haben Urlaub, aber auch wenig Kundschaft ließen den Markt recht leer erscheinen. Ich hatte also Zeit mit einigen zu quatschen. Meine Jungs im Lager hatten auch nicht besonders viel zu tun, sodass sie gerne eine kleine Plauderpause einlegten. Sehr lange war ich nicht da, oder täuscht das vielleicht, weil die Zeit wieder viel zu schnell rum ging? Ich bekam noch Tipps zum Parken und für die Route und machte mich auf den Weg zu meinem eigentlichen Ziel.
Als ich den Markt verließ, sagte mir ein Kollege aus dem Verkauf, dass ein Stammkunde gesehen hätte, wie wir miteinander gesprochen haben. Der Kunde hätte mich als ehemalige Mitarbeiterin erkannt und erstaunt festgestellt, dass ich in ziviler Kleidung sehr hübsch wäre. 🙂 Der Kollege hat ihm das natürlich bestätigt. Da sieht man mal, was es ausmacht, keine Sicherheitsschuhe und eine fleckenfreie Jacke zu tragen…
Die Bestätigung, dass Kleider wirklich Leute machen, zauberte mir ein Grinsen ins Gesicht, als ich mich in der Tiefgarage in meinen schnieken Hosenanzug schmiss. Dann fuhr ich los zum Campus der Hochschule der Stadt. Ich wurde zum Bewerbungsgespräch für den Master eingeladen. Zusammen mit einem Bub und einem weiteren Mädl wurden wir eine Stunde lang „interviewt“. Die physikalischen Fragen zu Beginn waren nicht ohne und auch bei den wirtschaftlichen kam ich ins Schwitzen. Lockerer wurde es, als wir auf Englisch über unsere Auslandserfahrungen erzählen mussten. Loift! Habe auf Englisch meine wichtigsten Stationen wie Australien und UK genannt, dann noch auf Französisch erwähnt, dass ich als Jugendvertreterin des Bezirks Unterfranken mehrmals in Frankreich war und noch ein paar spanische Brocken rausgehauen. Wohl der überzeugendste Teil meiner Performance. (Warum wurde ich eigentlich keine Dolmetscherin???)
Zum Glück war ich danach mit meiner Freundin zum Kuchenessen verabredet, denn ich brauchte dringend Zucker und ein Mittagessen hatte ich auch nicht. Der Apfel-Gries Kuchen war sehr lecker- gegen die immer stärker werdenden Kopfschmerzen half er jedoch leider nicht.
Meine Jagdjungs habe ich nicht mehr gesehen, aber ich hoffe ja, dass das nicht mein letzter Besuch im Süden war. Daumen drücken, im August bekomme ich bescheid, ob ich eine der 15 Studenten bin, welche im Oktober den Master in Logistics Management beginnen darf.

PS: Wenigstens hat dieses Mal die Scheibe nichts abbekommen 😉

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