Tränen für Opa

Freitag Abend klingelte mein Handy. Die Nummer erkannte ich erst nicht. Es war mein ältester Bruder mit schlechten Nachrichten. Als er mit weinender Stimme sagte, dass er schlechte Nachrichten von unserem Opa hat, konnte ich mir schon fast denken, was passiert sein musste. Aber ich wollte es erst nicht wahr haben. Am Freitag Nachmittag, 09.04.2010, ist mein Opa gestorben.

Ich stand weinend in der Küche und konnte nicht mehr klar denken. Zum Glück war Sonnenkat gerade bei mir und hat mich getröstet. Ich wusste erst gar nicht, was ich tun sollte und stand unter Schock. Sie packte mich in ihr Auto und fuhr mich nach Hause. Das nenne ich wahre Freundschaft und ich kann ihr gar nicht genug dafür danken. Auf der Fahrt sah ich in den roten Abendhimmel und musste wieder weinen, obwohl es schon zu beneiden ist, im Himmel sein zu dürfen (ja, ich glaube daran, dass es ein Wiedersehen nach dem Tod im Himmel gibt!)
Daheim angekommen holte ich meinen Bruder vom Bahnhof ab und wir fuhren ins KKH, wo meine Mutter und mein andere Bruder noch waren. Ich habe mich jedoch nichts ins Zimmer getraut. Ich wollte meinen Opa so in Erinnerung behalten, wie ich ihn erlebt habe und wie er gewunken hat, als ich ihn besucht habe. Dass ich in der Nacht zuvor von ihm geträumt habe, war meiner Meinung nach auch kein Zufall. Er wusste wohl- auch den Erzählungen meiner Brüder zufolge, wonach er bei ihren letzten Besuchen anders war als sonst – ganz genau, dass er bald sterben würde. Wahrscheinlich wollte er sich so von mir verabschieden. Meine Mutter, die bei ihm war, als er starb, war dementsprechend fertig mit den Nerven. Sie meinte aber, dass er friedlich eingeschlafen ist und sich gewünscht hatte, dass wir uns am Sterbebett von ihm verabschieden. Daher wagte ich doch einen Schritt in das düstere Zimmer, aber ich hatte nicht den Mut, weiter zu gehen. Der Anblick war schrecklich und ich war froh, dass mein Bruder bei mir war.
Nachdem ich Rotz und Wasser geheult hatte, tat mir der Kiefer weh, ich hatte Kopfschmerzen und fühlte mich auch nicht mehr in der Lage, selbst heim zu fahren. Mein Bruder fuhr mich und ich machte mich direkt auf den Weg ins Bett. Schlafen konnte ich jedoch nicht. Mir war schlecht und ich fror, sodass ich meinen Vater bat, mir eine Schmerztablette zu geben. Ich bekam nicht nur die besagte und eine Wärmflasche, sondern auch Taschentücher und einen Kotzkübel neben mein Bett gestellt. Er bleib auch bei mir, bis ich einschlief, was sehr gut tat.
Am nächsten Tag fuhren wir zu meiner Mutter. Wir frühstückten gemeinsam, sprachen über die Ereignisse des vergangenen Tages und weinten wieder ein wenig. Danach fuhren wir zu meiner Oma, die sich riesig über unseren Besuch freute. Wir entwarfen die Zeitungsanzeige und das Sterbebildchen für ihn. Als der Diakon kam, machten wir uns auf den Weg zu meiner Tante und Cousine, um ein Bild für die Rückseite auszusuchen. Bei so vielen Leuten ist es immer schwer, sich zu einigen, da jeder andere Vorstellungen hat. Mir war es wichtig, dass es in Opas Sinne wäre und ich glaube, er hätte es gemocht.
Heute war ich noch Ablenkungseis essen mit meiner Schnegge und dann fuhr ich nach SFH zur Ablenkungsvorlesung. Auf der Fahrt musste ich mich gegen Ende zusammenreißen, v.a., weil Lieder wie „big girls don’t cry“ im Radio liefen. (Normaler Weise weine ich aus anderen Gründen, wenn ich auf der Autobahn in diese Richtung unterwegs bin, aber das ist eine andere Geschichte.)
Dienstag Abend fahre ich wieder zurück, am Mittwoch ist Beerdigung….
Vorhin habe ich noch kurz mit meinem Bruder telefoniert und Bilder von meinem Opa ausgetauscht. Es tat weh, ihn zu sehen aber zugleich gut, mit jemandem über ihn sprechen zu können.
Jetzt wünschte ich, ich wäre müde. Wahrscheinlich werde ich mich noch ein wenig ablenken, bevor ich schlafen gehe…

3 Reaktionen zu “Tränen für Opa”

  1. Phil

    Mein Beileid Tanky, von ganzen Herzen.

  2. Ralf

    Oh Prinzessin, das tut mir leid! Ich drück dich!

  3. Emily

    Das tut mir so leid. 🙁 Fühl Dich ganz lieb gedrückt! Viel Kraft für morgen.

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